Gefängnis- oder Malefizerturm und Fronfeste

Der im 14. Jh. erbaute zylindrische Bau mit Spitzhelm wird
auch als Malefizturm, Raubturm oder Eisenturm bezeichnet.
Die angebaute Fronfeste entstand 1834. Am erhaltenen Abschnitt
der Stadtmauer mit Wehrgang zweigt ein schmaler
Durchgang ab und führt in den Stadtgraben.
Gefängnisturm und die Türme des Oberen Tors und der Stephanskirche
stehen verbunden durch die Stadtmauer in einer Flucht.

Nach Renovierungsarbeiten im Jahre a. U. 140/141 (1999) konnten die Frundsberg Sassen am 10. im Lethemond a. U. 141 (2000) die Einweihungsfeyer mit eingerittenen Freunden begehen.
Die Renovierung des Nordflügels im Jahr a.U. 155/156, brachte uns einen 2. Treppenaufgang, eine neue Garderobe, ein Archiv und einen Raum für unseren Styx.

 

 

Der Uhu in der Burgpforte
Vorburg
Vorburg
Rittersaal
Rostra u. Sanktionsbulle
Die Prüflingstafel
Das Burgverlies
 
Ansicht von der Außenseite der Stadtmauer
Ansicht innen von Norden mit Teil der Stadtmauer
Eingang in den Turm - Innenseite
Das "Obere Stadttor"
Marien- oder Marktplatz
 

Wer noch mehr wissen möchte

Der Mindelheimer Kulturamtsleiter Christian Schedler schreibt:

Wie viele alte Mindelheimer Gebäude trägt auch der betagte Gefängnisturm mehrere Namen: Gefängnisturm, Malefizturm, Raubturm, Fronfeste. Am traditionsreichsten davon ist sicher die aus dem lateinischen abgeleitete Bezeichnung Malefizturm, die das Gebäude als Verwahrort der "Maleficianten", also der Übeltäter, ausweist. Die geläufige Bezeichnung Gefängnisturm ist lediglich eine Übersetzung des lateinischen Namens. Auch der Name Raubturm weist auf dieselbe Bestimmung hin. Als vierte Bezeichnung kam seit 1834 der Name Fronfeste hinzu, der eigentlich nur den Anbau bezeichnet, doch mitunter auch für das ganze Ensemble verwandt wurde. Er besagt, dass in den neuen Anbauten die der Gefängniserweiterung dienten, auch Strafarbeit (Frondienst) geleistet wurde.

Der 34 Meter hohe Rundturm an der Südostecke der Stadtbefestigung stammt in seinem unteren Teil aus der Zeit nach 1350. Als Abschluss dieses ältesten Teils sind wohl die  etwas vertieften Rundbogenfriese mit Blendnischen in Höhe des Daches der Fronfest anzusehen. Der obere fünfgeschossige Teil wurde um 1500 aufgestockt, vermutlich im Zuge der umfassenden Erneuerung der Stadtbefestigung unter der frundsbergischen Herrschaft. Darin befinden sich vier Gefängniszellen mit je einer stark vergitterten Fensteröffnung, zuoberst das große Dachgeschoss mit acht Festern. Ein achteckiges Gesims schließt den Zylinder nach oben ab. Darauf erhebt sich der achseitige Spitzhelm, der nach vollendeter Renovierung wieder das rautenverzierte Ziegeldach trägt, das er im 19. Jahrhundert erhielt und von dem noch die verstreut eingesprengten bunt glasierten Ziegel der bisherigen Eindeckung zeugten.

Die erhaltene Einteilung von vier Zellen, die auf vier Geschosse verteilt sind, entstand vermutlich in der Zeit der Gefängniserweiterung des Jahres 1834. Wobei die Art der Gefangenenverwahrung noch mit Praktiken früherer Jahrhunderte übereinstimmte: Stark vergitterte Fenster gestatteten den Gefangenen keinen Blick nach außen; die Zellen wurden mit doppelten Türen - von innen und von außen anschlagend - verschlossen, ferner waren sie nicht beheizt; die Gefangenen hatten einfache Holzpritschen und konnten zudem an Bodenringen angekettet werden. Im Jahre 1834 kamen die Anbauten der Fronfeste mit festungsartigem Charakter hinzu. Sie dienten der Erweiterung der beengten Verwahrmöglichkeiten im Gefängnisturm. Stilistisch orientierte man sich damals an Architekturformen der italienischen Renaissance des 15. Jahrhunderts. Die Erweiterungsbauten gruppierten sich radial in zwei größere (nach Norden und Süden) und einen kleineren Gebäudeflügel (in den Graben hinein) um den zentralen Turm.

Bei den Renovierungsarbeiten wurden am Südflügel vermauerte kleine Zellenfenster aufgedeckt, wie sie im Erdgeschoss des Nordflügels noch sichtbar sind. Eine mächtig vorstehende Rustikaquaderung aus Sandstein, die das Hauptportal rahmt, betont zusammen mit den rekonstruierten Zellenfenstern den festigungsartigen Charakter des Gebäudes, das somit die Verteidiungsbereitschaft der Kommune und des Staates gegen Rechtsbrecher jeder Art veranschaulicht hat.

In der düsteren Geschichte des Gefängnisturms wurden zahlreiche Menschen darin festgehalten. Der bekannteste unter ihnen war wohl Adam Reißer, Stadtschreiber und Geheimschreiber Georgs von Frundsberg, der 1548 nach "... etlich langer Zeit und Tag ..." wieder auf freien Fuß gesetzt wurde. Des weiteren vier arme Frauen, die 1585 zu Mindelheim als Hexen verbrannt wurden, schließlich auch Maria Magdalena Fetzin, Deliquentin der letzten Hinrichtung in Mindelheim, im Juli 1776. Zuletzt als Gefängnis benutzt wurde das Gebäude im Dritten Reich und unter amerikanischer Verwaltung bis 1946. In den 50er Jahren wurde das Gebäude in Wohnungen für Beamte umgewandelt.

Die 1999 begonnenen Renovierungen eröffnen ein neues Kapitel in der mehr als 600jährigen Geschichte des Turmes. Nach Abschluss der Arbeiten wird hier der Frundsbergfestring e. V. seine Geschäftsstelle und Versammlungsräume beziehen und somit einer der traditonsreichsten Vereine der Stadt eine Heimat für alle Unterabteilungen finden. Mit ihnen teilen sich der Verein Schlaraffia e. V. den Saal und die Küche. Geschichtsbewusstsein und Liebe zur geschichtsreichen Stadt Mindelheim erhalten nunmehr in der Fronfeste eine neue Heimstätte.